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Presse:
Leserbriefe
Betrifft: JU attackiert Landesregierung
Kurioser Vorwurf
Albert Kramer
Der Paderborner Kreisverband der christdemokratischen Jungen Union äußert
sich „bestürzt“ über eine (angebliche) „wehrpolitische
Verweigerungshaltung“ der SPD und der Grünen in NRW. Die sei
schuld daran, dass der Bundeswehrstandort Augustdorf verkleinert wurde.
„Unverfroren“ habe die grüne Landtagsabgeordnete Sigrid
Beer von „Nationalparkflächen geträumt“. Da ist
dem CDU-Nachwuchs offenbar einiges aus der Geschichte entgangen.
Erstens:
Grüne und SPD sind längst militärfromm geworden. Zweitens:
Dem Projekt eines Nationalparks in der Senne hat seinerzeit (träumerisch?)
auch die CDU-Landtagsfraktion zugestimmt, ganz „unverfroren“.
Drittens: Die Reform der Bundeswehr, die zu Reduzierungen bei Standorten
führt, wurde von der CDU/CSU-geführten Bundesregierung beschlossen.
Kurioserweise wirft die Paderborner Junge Union der NRW-Landesregierung
vor, sie habe in Sachen Bundeswehrstandort Augustdorf als „Advocatus
Diaboli“ gewirkt. Da kommt – in der Domstadt doch eigentlich
nicht zu erwarten – ein bedauerlicher Mangel an Kenntnis religiösen
Brauchtums zum Vorschein. Nach römisch-katholischer Tradition ist
dieser „Advocatus“ kein Werkzeug des Teufels, sondern ein
Gottesdiener; er trägt bei Verfahren zur Selig- und Heiligsprechung
denkbare Gegenargumente vor – damit diese möglichst und rechtzeitig
entkräftet werden können. Das „Teuflische“ am Advocatus
ist also gar nichts Böses.
Seltsam übrigens, dass die Paderborner Junge Union sich über
„ökonomische Effekte“ der einen oder der anderen Nutzung
der Senne für Paderborn keine Gedanken macht. Selbst eine unverschlankte
„Rommel-Kaserne“ in Augustdorf würde nämlich keine
Lösung für die wirtschaftlichen Probleme bringen, die in unserem
Kreisgebiet mit dem Abzug des britischen Militärs entstehen. Da hilft
der von den Jungunionisten geforderte „nachhaltige Einsatz für
den Militärstandort Augustdorf“ in keiner Weise, ideologiefrei
betrachtet.
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